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Projektvorschläge 2018


Kulturforum21 der Schulen im Erzbistum Hamburg: Partien! Partizipatives Musiktheater an Schulen

Mit dem Projekt „Partien! Partizipatives Musiktheater an Schulen“ wollen wir unterschiedliche Formate von Musiktheater an den 21 katholischen Schulen in Hamburg entwickeln und präsentieren.

Die Schüler_innen arbeiten dabei schul-, jahrgangs- und fächerübergreifend mit professionellen Künstler_innen sowie Studierenden der Hochschule für Musik und Theater Hamburg aus verschiedenen Bereichen in unterschiedlichen Konstellationen zusammen. Sie lernen die Produktionsbedingungen und Formen musiktheatralen Ausdrucks für sich zu entdecken, ihre „Partien“ zu gestalten und sie im Ensemble mit verschiedenen Akteuren zu entwickeln und zu präsentieren. Hinsichtlich der Stückeentwicklung gibt es verschiedene Anknüpfungspunkte: Es gilt sowohl an Formen des klassischen Repertoires anzuknüpfen  (Oper, szenisches Oratorium, Musical), als auch Werke zu konzipieren, in der zeitnahe Stoffe mit zeitgenössischer oder auch von den Schüler_innen selbst komponierter Musik verbunden sind. Ein wichtiges Element hierbei ist das Modul der biographischen Theaterarbeit, das in verschiedene Schulfächer eingebunden werden kann. Hinzu kommt das Erproben der vielfältigen Möglichkeiten, die musiktheatrale Elemente im Schauspiel bedeuten und neue szenische Lösungen hervorbringen. Auch im Bereich Kostümentwurf und -herstellung sowie im Bühnenbildbau und bei medialen Elementen (Videoeinsatz z.B.) werden Schüler_innen einbezogen und von außerschulischen Partnern und durch entsprechenden Schulfachunterricht unterstützt. Grundlage von allem ist Partizipation an „Gesamtkunstwerken“. Die Ergebnisse zeigen sich in Aufführungen an außerschulischen, bekannten Orten und sind für ein allgemeines Publikum offen. Das Ziel: Musiktheater mit Schüler_innen - in seiner ganzen Komplexität und Aufwendigkeit - als großartige Ressource für eine übergreifende Lehr- und Lernkultur an Schulen weiter zu profilieren und zugleich eine neue Öffentlichkeit für Musiktheater mit Schulen zu gewinnen.

Die Produktionsprozesse von Musiktheater sind durch lange Erfahrung in unseren Schulen akzeptiert und von großer Unterstützung getragen. Denn sie setzen ungemein kreatives und soziales Potential frei - das die mitunter organisatorischen Kniffligkeiten leicht hintenan stellen lässt. Vor allem aber auch kann Integration gefördert werden. Die Schüler_innen - in sozial sehr unterschiedlich aufgestellten Stadtteilen zuhause - erwerben bei solchen schulübergreifenden Gemeinschaftsprojekten unabhängig von sozialer Herkunft, Bildungshintergrund und häuslichen Gegebenheiten das Gefühl, selbstbewusst und aktiv mitzugestalten. Ästhetische Kompetenzen erweitern entschieden die eigenen Handlungsspielräume. Das Projekt gilt deshalb für alle Schüler_innen - mit und ohne Musikerfahrung. Insbesondere die Zusammenarbeit mit den außerschulischen Partnern und Künstler_innen, der gegenseitige Respekt und der Austausch, die intensive Arbeit auf „Augenhöhe“, nicht zuletzt die Präsentation an prominenten Orten der Stadt  sind hervorzuheben. Die Lehr- und Lernkultur wird positiv beeinflusst, wenn alle - Künstler_innen, Lehrer_innen, Schüler_innen,Organisatoren - an einem Strang ziehen, Verantwortung tragen, von der Idee, über die Proben bis zur Aufführung, gemeinsam planen. Und wenn zugleich das übergeordnete Musiktheater-Thema in verschiedenen Fächern vorbereitet, reflektiert und wieder eingespeist wird, um neue Themen und Prozesse anzulegen.

Unsere Erfahrung: Seit 2010 werden über das Kulturforum21 immer wieder musiktheatrale Angebote, schul-, jahrgangs-, fächerübergreifend,in Kooperation mit Künstler_innen und Regisseur_innen mit großem Erfolg durchgeführt. Von „Ich & Du – Szenen und Kompositionen“, das sich vor allem mit Eigenkompositionen und zeitgenössischer Musik beschäftigte, bis hin zu einer Adaption von Mozarts „Zaide“, in der die Schüler_innen das fragmentarische Werk nutzten, ihre eigene Geschichte einzuschreiben oder ein musiktheatrales „Fußballspiel“ mit dem Titel „Round the world“ auf Kampnagel mit zwölf beteiligten Schulen, ein spartenübergreifendes „Barockes Fest“, oder ein musiktheatrales Werk mit dem Fokus auf den tänzerischen Ausdruck mit 400 Schüler_innen aller Altersstufen in Kooperation mit dem Bundesjugendballett, oder auch Händels "Israel in Egypt“ - musiktheatral interpretiert und zusammen mit geflüchteten Menschen aufgeführt; zuletzt: „Alles Mozart“ – eine große Opernproduktion mit 400 Beteiligten, in der die Biografie Mozarts von den Schüler_innen zusammen mit Profis und Gesangsstudierenden entwickelt und präsentiert wurde.

Ab Klassenstufe 2 bis Klassenstufe 13 wurde bereits schul-, jahrgangs- und fächerübergreifend in den Bereichen Musiktheater gearbeitet. Die Produktionen wurden grundsätzlich von allen 21 Schulen gespiegelt. Die Einbeziehung von Grundschulen in unser Konzept ist für die Differenzierung von „Partien“ wichtig, vor allem aber auch deswegen, um die kulturelle Bildung im Bereich Musiktheater nachhaltig, also mit Schuleintritt der Kinder anzusetzen.

Die Erforschung und Entwicklung musiktheatraler Konzepte in Schulen soll weitergehen. Mit bekannten und neuen Akteuren, experimentierend, offen für neue Methoden und Fragestellungen und mit neuen Konstellationen zwischen Künstler_innen, Studierenden und Schüler_innen. Wir wollen diesmal die Prozesse, Module und Präsentationen  noch enger verzahnen, dadurch das Thema auf drei Jahre als tragend für die von uns sog.„Spielzeit = Schuljahr“ anlegen und dokumentieren. Wir hoffen sehr, dass uns die Claussen-Simon-Stiftung hierbei unterstützen kann.

Bei der Produktion können wir in der konkreten musikalischen Ausstattung auf unterschiedliche (Haus-)Ressourcen in den Schulen zurückgreifen: Chöre z.B. und Orchester sowie kleine Ensembles. Ihre personelle Ausstattung ist jedoch so, dass sie nur gemeinsam und in Kooperation eine große musiktheatrale Produktion angehen können und sie daher in der schulübergreifenden, mit professionellen Künstler_innen verbundenen Arbeit eine große Chance auch für die Weiterentwicklung der Arbeit im musikalischen, chorischen wie instrumentalen, Bereich sehen.

Aus bisherigen Produktionen und Netzwerken können wir auf zahlreiche Kooperationspartner zurückgreifen, die unsere Ideen unter­stützen und sie mit uns weiter gestalten wollen. Ein Schwerpunkt soll für die nächsten Jahre dabei in der neu vereinbarten Zusammenarbeit mit dem Studiengang Schulmusik an der Hochschule für Musik und Theater liegen (Prof. Dr. Hans Bäßler, Alexander Radulescu). Hier gilt es über eine Pilotphase ab 2019 eine langfristige Kooperation aufzubauen, bei der Schulmusikstudierende direkt mit unseren Schulen zusammenarbeiten. In Verknüpfung und Kooperation verschiedener Fächer der Schulmusikabteilung an der HfMT Hamburg werden in Zusammenarbeit mit den Schulen gegenseitige Impulse gesetzt, die nicht zuletzt auch für die zukünftige Lernkultur an Schulen durch die so in Sachen Musiktheater ausgebildeten Schulmusiker_innen Wege weisen kann. Hinzu kommt die Kooperation mit der Gesangsklasse von Prof. Jörn Dopfer an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg; sowohl Alumnae/Alumni als auch Studierende werden sich an den Projekten beteiligen: ihr Impuls, ihr künstlerisches Können mit Musik(theater-)vermittlung an Schulen nachhaltig zu verbinden. Im Bereich Bühnenbild gibt es eine Kooperation mit Sabine Flunker, im Bereich Kostüm mit Sonja Kraft/Gewandmeisterin an der Staatsoper Hamburg. Eine weitere Kooperationpartnerin ist Theresa von Halle, die im Bereich partizipatives Musiktheater und Komposition hochinteressante Wege geht. Bei Kompositionen mit Schüler_innen wollen wir mit dem Komponisten Samuel Penderpayne arbeiten, im Bereich biographischer Theaterarbeit mit Ron Zimmering, mit dem wir ebenfalls schon einige Projekte realisierten. In Kooperation mit dem Thalia Theater und der(Musik)Theaterregisseurin Kerstin Steeb wollen wir mit den Schulen Schauspiel und Musiktheater verbinden. Hier gibt es weitere Anknüpfungspunkte durch das Thalia Theater, dessen Repertoire insgesamt stark durch  die Grenzüberschreitung zwischen den Sparten geprägt ist. Die Schüler_innen werden entsprechende Aufführungen besuchen, analysieren und durch Workshops u.a. im Bereich Bühnenmusik von dort unterstützt, um dann selbstständig mit Kerstin Steeb ihr Stück zu 

entwickeln.

Für Repertoirekunde im Bereich Musiktheater kooperieren wir mit der Staatsoper Hamburg. Opernbesuche sind selbstverständlich, Workshops für unsere Schüler_innen werden hinzukommen.

Das Projekt „Partien! Partizipatives Musiktheateran Schulen“ wird in all unsere Schulformen eingebettet. In Klassenverbände sowie AGs und Wahlkurse. Eine schulübergreifend anzusprechende Gruppe von Schüler_innen kann sich zusätzlich auch im außerschulischen Bereich mit dem Thema beschäftigen und qualifizieren.

Für die Gesamtleitung und Organisationdes Projektes ist das Kulturforum21 zuständig, ein Education- und Querschnitts-Programm für alle 21 katholischen Schulen in Hamburg.

Infos zum Kulturforum21: Das Kulturforum21 setzt in jeder Hinsicht auf einen konstruktiven "Umgang mit Vielfalt". Initiiert und nachhaltig begleitet werden kulturelle Projekte zwischen den Schulen und über die Klassen- und Fachgrenzen hinweg. Dabei gilt es insbesondere Integration und Dialog zufördern und produktiv mit den unterschiedlichen persönlichen Voraussetzungen der Schüler_innen und ihrer Lebenswelt umzugehen. In allen Projekten arbeiten die Schüler_innen mit außerschulischen Partnern (Kultureinrichtungen und Künstlerinnen und Künstler) zusammen. Eine Arbeit auf „Augenhöhe“, die Kultur ganz selbstverständlich mit der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen verbindet.

Träger aller 21 katholischen Schulen in Hamburg, allgemeinbildend, staatlich anerkannt, ist das Erzbistum Hamburg. Die Fakten: 11 Grundschulen, 6 Grund- und Stadtteilschulen, 1 Stadtteilschule, 3 Gymnasien. Größte Schule: Sophie-Barat-Schule (935 Schüler), kleinste Schule: Katholische Grundschule St.Marien Eulenstraße, Altona-Ottensen (80 Schüler). Insgesamt 8.493 Schüler_innen, davon 594 Vorschüler_innen, 4.035 Grundschüler_innen, 2.392 Gymnasiast_innen, 1.457 Stadtteilschüler_innen, 850 Lehrer_innen, Pädagog_innen und Erzieher_innen. Konfessionszugehörigkeit der Schüler_innen: durchschnittlich 60 % katholisch, 20 % evangelisch, 20% gehören einer anderen oder keiner Konfession an. Migrationsanteil an katholischen Schulen durchschnittlich ca. 60% (an einigen Schulen bis zu 95%). Katholische Schulen haben im Vergleich zu staatlichen Schulen anteilig mehr Schüler_innen mit Migrationshintergrund und mehr Schüler_innen aus sozial benachteiligten Wohngebieten; Anteil bildungsferner Elternhäuser 40%.



Beigefügte Bilder: Aus den Produktionen "Zaide", "Alles Mozart", "bewegt" - mit dem Bundesjugendballett.


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